Ein Tag im Leben von…
Bei ihrer früheren Tätigkeit als Fachangestellte Gesundheit reifte der Wunsch, mehr Zeit für den persönlichen Austausch mit betagten Menschen zu haben. Nach dreijähriger Weiterbildung hat sie sich diesen Wunsch erfüllt. In unserer Artikelserie begleiten wir heute
Noemi, Dipl. Aktivierungsfachfrau
Mein Arbeitstag im Tabea beginnt um 08.00 Uhr, aber ich bin eigentlich immer schone eine halbe Stunde früher da und gönne mir eine Tasse Tee. Die meisten Bewohnenden sind um diese Zeit noch mit der Morgentoilette in ihrem Zimmer beschäftigt oder sitzen beim Frühstück. Der Job in der Aktivierung ist wirklich mein Traumjob. Aber manchmal tut es trotzdem gut, morgens noch kurz Zeit für mich zu haben.
Zeit für Austausch und Gespräch
Der Weg zu meinem Traumjob startete im Haus Tabea mit einer Lehre als FaGe. Danach habe ich noch zwei weitere Jahre im gewählten Beruf weitergearbeitet. Im Pflegealltag vermisste ich aber immer mehr die Möglichkeit zur individuellen Beschäftigung mit den älteren Menschen. Ich hätte oft gern mehr Zeit gehabt für Gespräche und Tätigkeiten, die über das Pflegerische hinausgehen. So entschied ich mich für die dreijährige Ausbildung zur Dipl. Aktivierungsfachfrau an der Höheren Fachschule. Mit dem Diplom in der Tasche bin ich ins Haus Tabea zurückgekehrt. Jetzt kann ich mich so um unsere Bewohnenden kümmern wie ich es mir immer gewünscht habe. Mit vielfältigen Angeboten, die wortwörtlich Körper, Geist und Seele berühren, versuche ich ihren Alltag zu bereichern – natürlich nicht als Einzelkämpferin, sondern als Teil unseres sechsköpfigen Aktivierungsteams.
Erinnern an früher fürs Wohlbefinden von heute
Unsere Angebote richten sich zeitlich nach dem Tagesrhythmus der Bewohnenden. Vormittags starten sie in der Regel um 10 Uhr, nachmittags um 14.30 Uhr und dauern rund eine Stunde. Jede Aktivität wird durch uns individuell vorbereitet. Dazu gehört die inhaltliche Gestaltung wie auch das Bereitstellen der erforderlichen Materialien und Infrastruktur und danach natürlich auch das Aufräumen. Als Beispiel für meine Tätigkeit möchte ich von der sogenannten «Themengruppe» in unserer alterspsychiatrischen Abteilung erzählen. Unter den dortigen Bewohnenden gibt es einige, die mit der Teilnahme an regulären Aktivierungsangeboten überfordert wären. Sie brauchen ein ruhigeres Umfeld und Themen, die sich auf ihre unmittelbare Lebenserfahrung beziehen, damit sie sich öffnen. Ich wähle also zum Beispiel das Thema «Frühlingsputz» und suche Gegenstände zusammen, die das Thema erfahrbar machen. Mit Putzlappen, einer Bürste und einer leeren Flasche Reinigungsmittel begebe ich mich dann direkt zu ihnen in die alterspsychiatrische Abteilung, wo wir uns in ihrer vertrauten Umgebung zusammensetzen. Mit sogenannt autobiografischen Fragen animiere ich sie zum Reden. Ich frage also zum Beispiel: «Haben Sie früher gern Frühlingsputz gemacht?» Am schönsten ist, wenn sich mehrere Personen äussern und ein Austausch zwischen den Bewohnenden entsteht, bei dem erzählt, gelacht und erinnert wird. Dann beteilige ich mich nicht mehr aktiv am Gespräch und lasse den Redefluss der anderen laufen. Solche Gesprächsrunden mögen für Laien vielleicht banal erscheinen. Sie sind aber fürs Wohlbefinden betagter Menschen sehr wichtig, weil sie die soziale Teilhabe fördern und sowohl kognitive wie auch emotionale Bereiche im Hirn aktivieren.
Arbeitstag voller Begegnungen
In der Aktivierung sind wir praktisch den ganzen Tag mit den Bewohnenden in Kontakt. Auch ausserhalb der geplanten Angebote werden wir oft angesprochen und bekommen so auch sehr viel Privates unserer Bewohnenden mit. Ich empfinde diese Vertrautheit als Privileg, aber es ist nicht immer leicht und man muss sich selbst auch abgrenzen können. Mir persönlich hilft der Sport dabei. Früher spielte ich Unihockey auf Nati A-Niveau und errang mit Zug und Kloten zwei Schweizermeister-Titel. Heute habe ich den Hockeyschläger mehr zum Plausch in der Hand beim Streethockey mit den Horgenberg Hammers. Und nach Feierabend geniesse ich es, den Kopf auf dem Gravel Bike «durchzulüften».